Hans-Hermann Meyerholz

Hans-Hermann
Meyerholz

Ein Auricher
für Aurich

Ihr Bürgermeister für Aurich

Außerordentlicher Standpunkt

Nicht das Ob, sondern das Wie verdient eine ehrliche Diskussion

Aurich braucht eine gute Verkehrsanbindung und Entlastung vom Durchgangsverkehr. Aber eine neue Straße greift tief in Landschaft, Natur und das Lebensumfeld von Menschen ein. Deshalb darf die Antwort nicht einfach „bauen“ oder „nicht bauen“ lauten.

Über die B210n wird seit vielen Jahren diskutiert. Die Positionen scheinen dabei häufig bereits festzustehen: Die einen sehen in ihr eine notwendige Verbesserung der Verkehrsanbindung Aurichs, die anderen einen nicht vertretbaren Eingriff in Natur, Landschaft und das Lebensumfeld der betroffenen Menschen.

Ich halte wenig davon, diese Diskussion auf ein einfaches „dafür oder dagegen“ zu reduzieren.

Unbestritten ist für mich: Aurich braucht eine leistungsfähige Verkehrsanbindung. Als Wirtschaftsstandort, als Mittelzentrum und als Stadt, in die täglich viele Menschen zur Arbeit, zum Einkaufen oder aus anderen Gründen kommen, ist Erreichbarkeit von großer Bedeutung. Ebenso wichtig ist es, stark belastete Bereiche möglichst vom Durchgangsverkehr zu entlasten.

Aber daraus folgt für mich nicht automatisch, dass jede seit Jahren diskutierte Straßenplanung unverändert die richtige Antwort sein muss.

Eine neue Bundesstraße ist kein Strich auf einer Landkarte. Sie beansprucht Flächen, verändert Landschaft, berührt Lebensräume und kann für Menschen, die unmittelbar an einer geplanten Trasse leben, einen erheblichen Eingriff in ihr persönliches Lebensumfeld bedeuten. Wer die Vorteile einer B210n diskutiert, muss mit derselben Ernsthaftigkeit über ihre Nachteile sprechen: Flächenverbrauch, Auswirkungen auf Natur und Landschaft, Lärm und zusätzliche Belastungen für Anwohner sowie die Frage, welche langfristigen Verkehrsströme durch eine neue Straßenverbindung entstehen.

Verkehrsprojekte dieser Größenordnung entstehen über sehr lange Zeiträume. In dieser Zeit verändern sich Rahmenbedingungen: Mobilitätsverhalten, Anforderungen an Klima- und Naturschutz, Verkehrsprognosen, technische Möglichkeiten und auch die Vorstellungen davon, wie lebenswerte Städte und Regionen gestaltet werden sollen. Deshalb halte ich es für legitim und notwendig zu fragen: Sind die Annahmen, auf denen die Planung beruht, noch aktuell? Sind alle vertretbaren Alternativen ausreichend geprüft worden? Und gibt es Möglichkeiten, das angestrebte Ziel mit geringeren Belastungen zu erreichen?

Besonders wichtig sind mir die Menschen, deren Grundstücke, Häuser oder unmittelbares Wohnumfeld von einer möglichen Trasse betroffen sind. Für sie ist die B210n keine abstrakte verkehrspolitische Debatte. Deshalb müssen sie frühzeitig informiert, ernst genommen und in die weitere Diskussion einbezogen werden. Zuhören muss stattfinden, bevor alles entschieden ist – nicht erst danach.

Genauso wenig halte ich etwas davon, Straße und andere Verkehrsmittel gegeneinander auszuspielen. Aurich braucht gute Straßen, sichere Radwege, bessere Möglichkeiten im öffentlichen Verkehr und eine Stadtentwicklung, die Verkehr möglichst intelligent organisiert. Deshalb sollte auch die B210n Bestandteil eines Gesamtbildes für die zukünftige Mobilität Aurichs sein.

Meine Position zur B210n ist deshalb weder ein pauschales Nein noch ein bedingungsloses Ja. Ich halte eine bessere Verkehrsanbindung und eine Entlastung Aurichs für notwendig. Aber ich möchte eine Lösung, die diesen Nutzen mit möglichst geringen Belastungen für Anwohner, Natur und Landschaft erreicht.

Am Ende muss eine Entscheidung getroffen werden. Sie sollte aber nicht deshalb getroffen werden, weil seit Jahrzehnten geplant wird oder weil sich politische Lager längst festgelegt haben. Sie sollte getroffen werden, weil nach sorgfältiger Abwägung überzeugend beantwortet werden kann: Welche Verkehrslösung ist langfristig die beste für Aurich?

Das wäre für mich der Maßstab.

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